#09
Valloton fragt Valloton -
Ein Uhrengespräch in Zürich, mit Zürich

Lorenz O. Valloton
Auch heute wieder! Sie haben schon wieder eine andere Uhr am Handgelenk als bei unserem letzten Treffen. Wieviele haben Sie?

Friedrich G. Valloton
Das will ich lieber nicht sagen.

Lorenz O. Valloton
So viele?

Friedrich G. Valloton
Meine Frau liest vielleicht mit. Ich schätze den häuslichen Frieden über alles.

Lorenz O. Valloton
So kommen wir aber nicht weiter, verehrter Valloton.

Friedrich G. Valloton
Dann ein Bekenntnis, ja ein Schwur zum Einstieg: Ich habe tatsächlich keine einzige horrend teure Uhr. Aber ich habe eine kleine Sammlung von günstigen Uhren und solchen im preislichen Mittelfeld.

Lorenz O. Valloton
Die berühmte Mitte. Sie meinen, Ihre Frau hat nach diesem Statement das Interesse verloren?

Friedrich G. Valloton
Ich fürchte nein. Aber seis drum. Sprechen wir ganz offen, sie hat ein großes Herz.

Lorenz O. Valloton
Was tragen Sie heute? 

Friedrich G. Valloton
Nachdem wir ja heute hier in der Zürcher Altstadt bei einem übrigens ganz wunderbaren Glas Sherry sitzen, habe ich heute Morgen zu meiner tatsächlich neuesten und auch teuersten Uhr gegriffen, der Nomos Zürich. Als klar wurde, dass die Stadt zu einer zweiten Heimat werden würde, entdeckte ich per Zufall diese Uhr, die mir nicht nur ausgesprochen gut gefiel, sondern, wie ich dann feststellte, auch noch ganz ausgezeichnet in mein Leben passte aufgrund der Namensgebung. Da es sich um ein deutsches Fabrikat handelt, laufe ich auch nicht Gefahr, mich allzu sehr anzubiedern, was meinen Sie?

Lorenz O. Valloton
Da haben Sie recht. Wunderschön ist die. Glasboden? 

Friedrich G. Valloton
Eine Nomos ohne Glasboden würde ich ausschließen. Werfen Sie einen Blick darauf.

Lorenz O. Valloton
Großartige Detail-Verarbeitung!

Friedrich G. Valloton
Zu schade um das Innenleben zu verstecken. In dieser Preisklasse ist das wirklich eine außergewöhnliche Verarbeitung.

Lorenz O. Valloton
Sie bringen mich in Versuchung, wieder einmal. Das wird noch ein schlimmes Ende nehmen.

Friedrich G. Valloton
Es gibt auch im unteren Preissegment sehr viele interessante Stücke. Und wenn Sie erst einmal in das Universum von Vintage-Uhren eindringen, dann steigen die Möglichkeiten schier ins Unendliche. Hier muss ich Sie aber wirklich warnen. Ich kenne einige, die diesem Sog nie wieder entkommen konnten.

Lorenz O. Valloton
Suchtgefahr.

Friedrich G. Valloton
Allerdings. Die Entdeckungen sind nicht enden wollend. Aber Sie scheinen beinahe immun zu sein, mein Lieber. Ich weiß, dass Sie sich sehr wohl seit Längerem schon für Uhren interessieren, und dennoch tragen Sie keine. Besitzen Sie überhaupt eine?

Lorenz O. Valloton
Keine einzige. Ich habe, als mein Interesse geweckt wurde, eine an sich schöne Hamilton Khaki Aviation gekauft. Ich fand sie letztlich zu groß, zu wuchtig und habe sie nach wenigen Wochen wieder verkauft. Mir wurde klar, dass auch hier gilt: Man sollte sich mit der Materie schon recht ausführlich beschäftigt haben bevor man damit beginnt teure Fehler zu machen. Und heute fühle ich mich ganz wohl in der Rolle des Zusehers. 

Friedrich G. Valloton
Sie sind ein besonnener Mann, mein lieber Valloton. Ich werde ab nun versuchen, bei jeder unserer Zusammenkünfte ein anderes Stück zu tragen, um diese Konversation fortsetzen zu können.

Lorenz O. Valloton
Tun Sie das. Und nun würde ich gerne mal Ihre Zürich an mein Handgelenk legen, wenn Sie erlauben.

Friedrich G. Valloton
Dann bestelle ich uns noch zwei Gläschen Cava. Lustros von Gramona findet Ihre Zustimmung?

Lorenz O. Valloton
Nur zu, nur zu!